NADIAS GESCHICHTE oder « Mis guete Gspühri, d Endometriose und ds zrüggwunnene Vertroue»

Ich bin eine 30-jährige Frau aus dem «Bärnbiet» und erzähle hier meine Geschichte. Dies tue ich vor allem, um andere Menschen – vor allem Frauen – zu motivieren, zu inspirieren und zu ermutigen. Also voilà Los:

Vor etwas mehr als 5 Jahren habe ich aufgrund einer Empfehlung meines Akupunkteurs meine hormonelle Verhütung abgesetzt. Er sagte damals: «Du kennst dich gar nicht ohne künstlich zugeführte Hormone, oder?». Das war so. Ich habe seit meinem ersten Freund mit 18 Jahren bis und mit 25 Jahren mit dem Nuvaring hormonell verhütet. Und dies, obwohl es während ca. 4-5 Jahren gar nicht «nötig» war. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich glaube für mich war das damals richtig gewesen. Als der Akupunkteur mich jedoch darauf hinwies, war mir sofort klar, dass ich das ausprobieren will. Es war der richtige Zeitpunkt. Wer bin ich ohne Hormone? Ich hatte damals viele Probleme. Kaum Selbstvertrauen, Binge-Eating, sehr angepasstes Verhalten, erste psychische Erschöpfungssymptome – sprich ich war mir selbst zu wenig wichtig und hab echt zu wenig zu mir geschaut. Dieses Absetzen der künstlichen Hormone war der erste Wendepunkt. Ich habe mich ganz ganz ganz ganz anders gefühlt. Präsenter. Ich habe es damals jeweils so beschrieben: «Mit em Nuvaring isch aues wi i Watte packt gsi, weni das vergliche wis i zisch...Iz isch aues viu meh, viu necher, viu ächter, viu intensiver». Ich kam dem Leben somit irgendwie näher. Ich habe schon dadurch und durch viele weitere Unterstützungen/Anpassungen (Psychologe, Akkupunktur, Reisen, Jobwechsel) viel gelernt und bin mir und meinem eigentlichen Selbst näher gekommen.

Was sich aber auch weiterentwickelt hat (oder eben auch nicht) war mein weiblicher Zyklus. Ich hatte seit dem Absetzen des Nuvarings jeweils einige Tage vor der Menstruation schon Blutungen oder «Gschmier». Später dann sogar mind. 1 Woche vor der Menstruation. Ich habe mir auch da Hilfe geholt. Aber es hat alles nichts gebracht. Und was dann noch dazu kam, waren die Schmerzen während der Menstruation, später auch vor der Menstruation und noch später dann auch danach. Über die Jahre wurde es immer schlimmer. Am Schluss, also Anfang 2021, hatte ich pro Zyklus 3 Wochen Schmerzen (Bauch und vor allem auch unterer Rücken).

Während der Menstruation hab ich damals pro Tag 3 Ibuprofen, 4 Dafalgan, CBD, ein Tensgerät («Livia» heissts) am Bauch, teilweise Tapes am Bauch, Öl, Wickel, Blackrollenmassagen, heisse Bettflaschen und abends Tramadol gebraucht um es zu überstehen. Und da gab es dann immer noch Moment, an denen ich heulend auf dem Sofa lag und nicht mehr weiter wusste (siehe SRF Reporter, Periodenscham). Dazu kam, dass ich seit Mitte 2019 einen unerfüllten Kinderwunsch hatte, was mir auf die Psyche schlug. Ich wusste manchmal echt fast nicht mehr weiter. Drei verschiedene Gynäkologinnnen und Gynäkologen in diesen Jahren, gefühlt 100`000 Heilkräuter (nacheinander natürlich ), ayurvedische Ernährung, Fasten, Entgiften, kein Zucker, keine Gluten, kein Dies, kein Das..., Akkupunktur, Naturheilpraktiker, Lymphdrainagen, Osteopathin, Drogerieberatungen, Homöopathin, Kinesiologin, Hypnotherapie, verschiedenste Bücher, stundenlange Internetrecherchen und Google-Suchen..... Viel viel viel ausgegebenes Geld... Das hat alles zu meinem Weg gehört.

In dieser grossen Verzweiflung hab ich mir dann wieder einmal eine Psychologin gegönnt und mich fast zur gleichen Zeit – ehrlichgesagt auch aus dieser Verzweiflung und weil ich wusste, so kann es nicht mehr weiter gehen – für die Joy Academy von Ronja Sakata angemeldet. Und obwohl ich schon vorher viel viel besser auf mich geachtet habe als noch einige Jahre zuvor, hat sich dadurch nochmals so RICHTIG was getan. Mir wurde so richtig bewusst: ICH bin die wichtigste Person in meinem Leben. ICH. Nicht meine Klienten, nicht meine Mutter, nicht meine Freundinnen, nicht mein Partner. ICH. Und obwohl ich schon wusste, dass ich mich auf mein gutes Bauchgefühl verlassen kann, hab ich das lange lange wieder nicht gemacht (in Bezug auf meinen weiblichen Zyklus). Und dann ging es los. «Dr Chnopf isch uf gange». Es ging weiter. Ich habe weinend im Endometriosezentrum im Inselspital angerufen. Und dann begann sich das Rad zu drehen. Ich erhielt einen Termin. Ich wurde ernst genommen. Ich wurde untersucht. Es wurde Endometriose (siehe Erklärung unten) gefunden.

Und wisst ihr, was das KRASSESTE ist. Ich habe vor mehr als 10 Jahren bei meiner ersten Gynäkologin gefragt, ob meine Schmerzen beim Stuhlgang während der Menstruation (ja, sie waren schon da ein bisschen da, trotz hormoneller Verhütung) nicht Endometriose sein könnten. Vor mehr als 10 Jahren!! Also als ich 18 oder 19 Jahre alt war!! Ich hab es schon damals «gewusst» oder gespürt. Mein Körper hat es schon da gewusst! Und dann, nach dieser Diagnose, war alles zurück! Das Vertrauen in mich, in mein Bauchgefühl, in meinen Körper! Die Operation ist gut verlaufen.

Eine Schwangerschaft wäre nicht möglich gewesen mit den vielen Verklebungen, die ich hatte und ich war «gottefroh», dass ich die Operation gewagt habe. Meine Lebensqualität danach war sooooo unglaublich gestiegen. Und meine Hoffnung war zurück. Ich wusste umgehend, das war das RICHTIGE!

Ich fühlte mich leicht und froh und wusste ganz genau: Jetzt bin ich wieder ICH. Jetzt bin ich ICH. Und so wird es auch mit der Familiengründung klappen. Und siehe da: Im 2. Probezyklus nach der Operation hat es geklappt und ich hielt im September 2021 einen positiven Schwangerschaftstest in meinen vor Freude zittrigen Händen. Und jetzt bin ich unterwegs in ein neues Abenteuer.

Die schwierigste Zeit in meinem bisherigen Leben (Herbst 2020 bis Sommer 2021 -inkl. Pandemie, diesen unglaublichen Schmerzen, psychischem Tief und unerfülltem Kinderwunsch) habe ich nur überstanden, weil ich zu mir selber zurück gefunden habe. Ich habe wieder gelernt, auf mich zu hören. Auf mich Acht zu geben und zu mir zu schauen. Ich habe mich nochmals besser kennen gelernt. Wer bin ich, was will ich, was ist mir wichtig, was bereitet mir Freude (trotz all dem «Schwierigen»), was mache ich gerne, was tut mir gut und warum. Und dafür habe ich mir ganz viel Zeit genommen. Nehmen müssen. Es war wohl nötig und mein Körper hat mir das mit dem «Holzhammer» gezeigt, bis ich mir die Zeit genommen habe. Und bis ich dann wieder so weit bei mir war, dass ich auf mich gehört und mir und meinem Körper vertraut habe und den Schritt gegangen bin. Dem nachgegangen bin, was ich schon lange gespürt habe.

Ich möchte euch hier noch meinen (oder Ronjas ) «Trick 77» verraten - oder einfach das was mich am meisten geprägt hat: Das Journaling. Seit März oder April 2021 schreibe ich jeden Morgen mind. 10 Minuten Tagebuch. Entweder ich schreibe einfach was mir durch den Kopf geht, ich schreibe Affirmationen auf oder ich mache Schreibübungen à la «Ich bin dankbar für...». Und zu meiner Journaling-Erfahrung gehört auch, dass ich dieses «Erlebnis» nun hier erzähle: ACHTUNG das ist jetzt ein bisschen kitschig - ich habe in dem Monat, in dem ich schwanger wurde jeden Morgen mind. 3x in mein Tagebuch geschrieben «Ig wirde gli ä positive Schwangerschaftstest i mine Häng ha».

Danke Ronja Sakata für die wertvolle, wundervolle, bezaubernde, ermutigende Begleitung!

Geschrieben im Dezember 2021

PS: Endometriose ist eine unheilbare Krankheit, die ungefähr 10-15 % der Frauen weltweit betrifft. Es ist bis heute nicht ganz klar, was es auslöst bzw. was es ausmacht, ob man bzw. frau an Endometriose (oder «Endo» wie wir Betroffenen es liebevoll nennen ) erkrankt oder nicht. Bei der Endometriose «verirren» sich Gebärmutterschleimhaut-Zellen in den Bauchraum und verursachen dort Verklebungen und bluten auch jeden Monat mit der Menstruation mit. Dieses Blut kann dann aber ja auch nicht abfliessen, sprich löst Entzündungen aus und so verteilen sich die Herde auch immer mehr. Dadurch können auch Organe wie Eierstöcke, Blase oder Darm beschädigt/verklebt werden. Es gibt verschiedene Arten von Endometriose und auch ganz ganz unterschiedliche Verläufe, Symptome und somit auch Wege und Behandlungen. (Eine Erklärung in meine eigenen Worten)

PPS: Und hier noch der Link zur Reportage vom SRF vom Mai 2021, in welcher ich vorkomme und das Ausmass meiner Schmerzen sichtbar ist:

Reporter - Schluss mit Perioden-Scham! - Play SRF

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