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  • Marc Giger spricht darüber, wie Verzeihen frei macht und genaues Hinschauen Antworten gibt

Ich habe Marc Giger vor vielen Jahren in einer Kursreihe von Malcolm Southwood kennengelernt. Seither haben wir immer wieder miteinander zu tun gehabt und ich freue mich sehr, mit dir unser Gespräch zu teilen, welches wunderbar philosophisch und tiefgründig ist.

Marc kommt aus dem Finanzbereich und ist heute selbständig im Bereich der Medial-Systematischen-Arbeit. Es ist unglaublich spannend Marc von seinen Erfahrungen und seinem Umgang mit dem Leben sprechen zu hören. Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Eintauchen in diese Episode, in der es unter vielem Anderem, ums Grummlig sein, ums genau Hinschauen, um Opferrollen und die Kunst des Zuhörens geht…


Als erste Antwort darauf, was Marc Freude macht, kommt sogleich: «Es freut mich extrem, dass ich hier mitmachen darf in dieser Podcastserie». So schön. : )

Was Marc Freude macht, sind vor allem die kleinen Sachen. «Die kleinen Sachen, die vielleicht von Vielen übersehen werden, wie zum Beispiel»:

  • Ein Pflänzchen im Garten, das gerade gekeimt hat und wo die ersten zwei Blättchen sichtbar sind.
  • Ein Spaziergang nach dem Regen, wenn die Luft so rein ist und die Blätter leuchten.

Es ist so schön, dass ganz egal wo aus der Welt meine Podcast-Gäste sind und was sie in ihrem Alltag und Beruf erleben, die kleinen Freuden immer wieder zentral sind.

«Die kleinen Sachen, sind das Grösste», Ronja

«Ich mag die «kleine» Freuden im Leben so sehr, weil sie viel, viel öfter vorkommen als «grosse» Freuden. Und das macht mir eben Spass», Marc

Marc sagt, dass die kleinen Dinge im Leben ihn dazu gebracht haben, seine Achtsamkeit zu schärfen, hinzuschauen, zu beobachten und mit offenen Augen durchs Leben zu gehen.

«Beim genauen Hinschauen, Hinhören, Hineinfühlen, Hinspüren, Hinriechen werden mir Antworten gegeben», Marc

Es ist nicht ein Suchen oder ein Hineinfallen, sondern ein «aha», das aus kindlicher Neugier entsteht. Marc sagt, dass er bei Unmut oder Schmerzen mit der Zeit gelernt hat, sich zu fragen, was es bedeutet -  was es ihm sagen will. «Was man dabei lernen kann, ist so vielschichtig».

Die Macht selber entscheiden zu können, zu wollen und es auch zu machen, dieser Schritt ist nicht immer einfach, meint Marc. Aber: «Dort liegt in meinen Augen das, was mir Freude in mein Leben bringt. Gerade weil ich selber entscheiden kann, was ich in mein Leben bringen will». Auch die Fragen «Wer bin ich? Was will ich? Wohin will ich im Leben?», werden nur zu einem Thema, wenn man hinschaut.

«Bei Abraham Hicks – hast du sie einmal gegooglet? Man könnte fast sagen, sie sind die geheimen Gäste dieses Podcasts : ) - finde ich genau das so toll: Sie sagen nicht, dass wir heilig werden müssen und jeden Tag stundenlang meditieren, sondern dass wir hier sind, um Spass zu haben.

Wir sprechen über verschiedene Emotionen und Gemütslagen und Marc findet: «Schlechte Laune ist gar nicht so schlecht, die Frage ist, was man damit macht. Bleibt man einfach darin, oder sieht man die Essenz darin und versucht etwas daran zu ändern».

Bei den vier Fragen von Byron Katie (The Work) geht es darum, dass du den Blickwinkel umdrehst. So wie du Opfer bist, bist du auch immer MittäterIn. Wenn du dies siehst, kannst du dich fragen, was dein Teil ist und was du daran ändern kannst.

«Laune und Ärger, die gehören für mich im Leben dazu», Marc

Marc erzählt, dass er sich mit den Tiefpunkten in seinem Leben auseinandergesetzt hat – unter anderem um herauszufinden, wieso er so schnell aus emotionalen Tiefs rauskommt. Die Antwort, die er dabei gefunden hat: «Ich leide einfach nicht so gerne!» : )

Marc‘s Strategie für die Bewältigung von Herausforderungen ist das bewusste Hinschauen: «Was ist mein Anteil? Wenn ich erkenne, was mein Anteil in einer Krisensituation ist, dann habe ich schon den Startpunkt geschafft, um den Weg raus zu finden».

Ich frage Marc nach einem konkreten Beispiel aus seinem Leben und er erzählt von seiner Scheidung, die ihm damals den Boden unter den Füssen weggezogen hat und sehr viel Leiden bereitete. Bei einer professionellen Beratung, die Marc sich zur Unterstützung buchte, ging es nur um ihn und nichts anderes: «Anstelle mich im Selbstmitleid zu suhlen, ging es um den Blick zu mir: Was hat mich verletzt, was tut mir weh, wo bin ich jetzt? Als es darum ging, wo ich jetzt bin, war es nicht mehr so erdrückend und es gab Raum um zu Atmen». Dies ermöglichte Marc den nötigen Perspektivenwechsel um sich die Frage zu stellen, was er in diesem Moment braucht; «dass mir jemand zuhört, dass mich jemand ernst nimmt, dass ich meine Gefühlslage, die mich innerlich ausgehöhlt hat, teilen kann. Das Feuer des Schmerzes, welches nun kontrolliert brennen konnte, verlor an Wirkung und ging irgendwann aus».

Marc erzählt, dass es bei den Sitzungen darum ging, eine andere Sichtweise einzunehmen. «Das war der Durchbruch, die Erkenntnis, dass es so ist, wie es ist. Dies zu akzeptieren und weiter zu gehen hin zu «was kann ich jetzt tun?» und dann zu verzeihen.

Nachdem die Scheidung vollzogen war, entschuldigte sich Marcs Exfrau für das Leid, das sie ihm angetan hatte. Marc erinnert sich, dass er nur noch Mitgefühl für sie hatte. Er hob ihr symbolisch das Gewicht der Schuld von den Schultern und warf sie in den Zürisee. Was für ein Wandel! Hör dir unbedingt die Podcastfolge an, um dir Marc die Geschichte selber erzählen zu lassen.

«Der Wechsel von «ich bin ein riesiges Opfer» – über solche Sitzungen, über die Erkenntnis, übers Verzeihen und Vergeben – hat mich befreit, um wieder atmen zu können. Ich konnte mein Leben wieder ordnen und vorwärtsschreiten, das Leben so zu designen wie es mir guttut und Neues willkommen heissen», ergänzt Marc.

Es war nicht ein Prozess von ein paar Tagen, doch der grösste Schritt war jener raus aus der Opferrolle: Sich fragen, «Was ist mein Beitrag?», eine neue Richtung einnehmen und eine neue Sichtweise auf die Situation. «Sehen, dass ich nicht unschuldig bin und das arme Opfer, sondern dass auch ich meinen Beitrag oder Anteil geleistet habe. Als es mir gelang, dies auseinanderzuhalten, sah ich das Potential, das die Veränderung birgt. Ob man die Veränderung machen kann, ist immer eine Frage von “kann man die negativen Gefühle, den Schmerz, die Trauer, den Hass, die Wut, nicht zerstörerisch, destruktiv wirken lassen?“, sondern deren Energie kanalisieren und zu meinem Nutzen einsetzen.».

«Wut ist oft negativ besetzt. In seiner Essenz ist Wut aber eine sehr starke Energie, eine grosse Kraft, wirklich Power. Die Frage ist nur, gelingt es uns diese Power zu «bändigen», zu kanalisieren, um sie so zu unserem besten Nutzen einsetzen zu können», Marc

Bei kleineren Situationen hilft es Marc die Perspektive zu wechseln und sich zu fragen, was für einen Stellenwert diese Situation in 5 Jahren oder in einem Jahr oder in einem Monat haben wird. «Das hilft immer um zu sehen, dass kleine Sachen null Stellenwert haben. So schafft man eine Basis, um einen Weg, eine Lösung zu finden».

Vor einiger Zeit war Mika so unleidig, aber als ich sie fragte, was los sei, meinte sie schlicht: «Ich will jetzt einfach hässig sein». Mit solchen klaren Aussagen kann ich viel besser umgehen, als wenn Emotionen und damit verbundene Erwartungen unterschwellig im Raum herum schwirren und man anfängt zu spekulieren. Auch während meiner Zeit als Lehrerin habe ich meinen SchülerInnen immer klar gemacht, dass Hintenrum ausrufen extrem uncool ist und sie direkt sagen sollen, wenn etwas an der Frau Sakata oder ihrem Unterricht ihnen nicht passt!

Wenn Esther, Marc‘s Partnerin, jeweils grummelig ist, findet er: «Komm wir grummeln zusammen ein bisschen». Esther muss dann lachen und schon ist es vorbei. : ) «Zusammen ins gleiche Boot steigen, das hilft», meint Marc schmunzelnd.   

«Klare Ansagen finde ich am angenehmsten», Ronja

Wenn du bereit bist in irgendeiner Beziehung zu sagen, dass du gerne Feedback hast und dann auch wirklich zuhörst, wenn die Rückmeldung kommt, das ist sehr hilfreich.

Wir sprechen über die Freuden und Leiden mit Rückmeldungen. Nicht sehr hilfreich, wenn sie ohne konkrete Situation und den nötigen Respekt herangetragen werden und eine grosse Chance, wenn sie konstruktiv und gut gemeint daherkommen.

«Menschen miteinander, das ist einfach spannend», Ronja

Marc ergänzt, dass man nicht nur mit den Ohren zuhören kann, sondern auch mit den Augen, mit den Gefühlen, mit Energien, die im Raum sind, mit Spannungen… «Das sind alles so kleine Details in die man voll hineingehen kann».

Während wir so über das Rückmelden und Zuhören und das Zwischenmenschliche reden, kommt uns beiden eine wunderschöne Geschichte aus Japan in Sinn, welche du in der Podcastfolge anhören kannst. Marc hat seine Geschichte während einem beruflichen Aufenthalt erlebt und ich meine während meines Praktikums. 

Marc hat im Finanzbereich bei der Swiss Re gearbeitet und ist heute mit dem Unternehmen «me-di-or», das er mit zwei Partnerinnen führt, selbständig. Marc arbeitet als Mediator auf multidimensionaler Ebene und er sagt über seine Arbeit mit Menschen: «Es ist ein Mitschwingen mit jemandem und reflektieren und allenfalls Optionen anbieten, aber nichts vorgeben. Die Optionen werden gewählt oder nicht und der Weg wird mitgegangen ohne zu werten, ob man dies oder jenes noch hätte machen können».

Marc erzählt, dass vermehrt Menschen aus dem Wirtschaftsbereich bei me-di-or Unterstützung suchen. «Sie haben keine Probleme im Finanziellen, sind in der Regel sehr analytisch, aber genauso wie andere Menschen besteht irgendwo eine Ungleichgewicht zwischen Kopf , Intellekt oder Ratio und dem Herz, Gefühl. Und das ist eigentlich die Grundessenz unserer Arbeit bei me-di-or: Das zusammenzubringen».

Unser Gespräch hat sich von den kleinen Freuden zum grossen Leiden und dem Umgang damit zu Erinnerungen an Erlebtes gewandelt und nun möchte ich noch einmal ganz konkret ein paar Freude-machende-Momente von Marc hören. : )

Marcs Tips zum Glücklich sein

  • Genug Zeit für sich selber rausnehmen und auch kommunizieren, dass man das braucht. Wenn man in einer Partnerschaft ist, das dem anderen auch zugestehen. «Das ist enorm wichtig, die Zeit brauche ich, um für mich zu reflektieren, um hinzuschauen und in mich hineinzugehen um mein eigener Doktor, mein eigener Therapeut zu sein»
  • Alles was Erdung bringt: Yoga, im Garten arbeiten, Spaziergänge, am besten in der Natur, Blumen oder Baumblüten in unterschiedlichen nicht alltäglichen Perspektiven aufnehmen. «Wenn ich etwas sehe, ist der erste Gedanke immer, mich zu fragen: Aus welcher Perspektive kann man das jetzt noch anschauen, was  jemand, der einfach nur vorbei läuft aus seiner Perspektive, so nicht sieht oder erkennt»

«Im Alltäglichen das Spezielle suchen», Marc

  • Den Groove oder den Rank finden, um wirklich selber zu entscheiden. Das ist wie die Ermächtigung, sich selber die Macht zu geben, selber zu entscheiden, selber zu kreieren - mit den ganzen Konsequenzen die dahinter hängen
  • Ehrlichkeit dir selber und anderen gegenüber 
  • Kommunizieren - Kommunizieren ist jedes Mal eine Übung und ein Austesten 

«Kommunikation ist wahrscheinlich etwas vom Schwierigsten, was wir hier auf der Erde zu üben haben, weil sie so überlagert, durchdrungen und vermischt ist mit Gefühlen und Annahmen», Marc

  • Mehr Mut etwas Anzustossen in der Kommunikation, aber auch im Leben
  • Komfortzone verlassen: Das heisst nicht, dass man sich morgen von Klippen stürzen muss, wo man Todesängste aussteht, aber immer wieder an die Grenze des eigenen Komforts zu gehen und einen Schritt darüber hinaus, im Wissen, dass man wieder zurück kann. Aber diese Grenzen immer wieder ausdehnen. Das ist definitiv eine Bereicherung im Leben – das ist das Band/Zone wo die Freude herkommt

«Das Neue, das Vielfältige, das Vielschichtige findet für mich ausserhalb der Komfortzone statt -  auch das Unerwartete, das Grenzenlose», Marc

«Das Leben ist grenzenlos», Marc

  • «Das Leben umarmen, Situationen so nehmen wie sie sind und immer schauen, «was ist mein Anteil in Situationen», weil das ist für mich der grosse Schlüssel - zur Erkenntnis kommen, was kann ich beeinflussen. Dann bist du wieder beim Entscheiden und selber entscheiden und kreieren»

Marcs Nachricht an die Welt

«Akzeptiere dich selber, wie du bist, mit all deinen Aspekten, weil alle deine Aspekte  sind gleichwertig und gleichbedeutend und alle gehören zu dir und erst die Fülle aller Aspekte macht dich ganz».

Zu meinem grossen Erstaunen sagt Marc gegen Schluss des Gesprächs: «Vor einem Jahr hätte ich es mir nicht vorstellen können, in einem Podcast aufzutreten, weil ich nicht gewusst hätte, was zu sagen. Mich zu zeigen, war ein Prozess, und das Mastermind (Marc hat im 2020 am Joy Mastermind teilgenommen) hat enorm geholfen und mir einen Schub gegeben». Das freut mich seeeehr zu hören und es freut mich umso mehr, dass ich nun die Gelegenheit hatte Marc auf diesem Podcast als Gast begrüssen zu dürfen. Was für ein wunderbares Gespräch, DANKE, Marc!

Das Video zu unserer Konversation kannst du hier schauen:

Hier findest du Marc:


Webseite:
https://www.me-di-or.ch/

Erwähnungen im Podcast: 

Abraham Hicks
Byron Katie

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