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  • Mein Papa lässt die Vergangenheit aufleben und verrät sein Geheimrezept für ein glückliches Leben

Ich freue mich riesig in dieser Podcastfolge mit meinem Papa, Andreas Müller, zu sprechen. Mein Papa ist 81 Jahre alt, läuft immer mit den Schneeschuhen ins Fondei, wurde schon als der friedlichste Mensch auf der ganzen Alpennordseite bezeichnet, verfügt über ein gewaltiges Wissen und ist einfach unglaublich spannend. Ich wünsche dir ganz viel Spass und Freude mit dieser etwas anderen Episode.

Als Jüngster von 5 Geschwistern sagt mein Papa: «Ich musste meine Wege finden, damit ich zu Wort gekommen bin. Mein Hauptvorgehen war, Nichts zu sagen»… und dann hast du einfach das gemacht, was du wolltest, ergänze ich mit einem Lachen, in das mein Papa freudig und bejahend einsteigt. Die Freude an viel Freiheit wurde mir definitiv vererbt.

Mein Papa erzählt von seinen ersten Erinnerungen ans Fondei, als er in Lederhosen gekleidet mit 5 Jahren zum ersten Mal in jenes Hochtal wanderte, in dem auch wir heute noch jedes Jahr die wunderschönsten Tage erleben – wenn du mir auf Instagram folgst, bist du bereits öfters in den Genuss von Fotos und Filmchen aus dem Fondei gekommen.

Die Erinnerungen wandern in den Kindergarten, in die Nachkriegszeit zurück. Mein Papa erzählt von Sirenen, die auf dem Kindsgi-Weg läuteten, aber geflissentlich ignoriert wurden, von der Schulzeit mit Klettern an den Turnstangen beim Schulhaus und beim Metzger vorbeigehen, um zu schauen, wie Tiere geschlachtet wurden, vom Velo fahren und dem Start in die Pfadi, wo mein Papa und später auch ich wertvolle Lebenserfahrungen gemacht haben.

Fun fact über mich, ich bin «Made in America»! : ) Meine Eltern lebten nach der Hochzeit ein Jahr lang in Iowa City. Dort startete auch das Projekt «selbstgebackenes Brot» das bis zum heutigen Tag Bestand hat: «Die Qualität des amerikanischen Brots war so "speziell", dass wir eine Alternative suchten und die Backkünste, die wir Daheim lernten, nutzten. Das ist geblieben». Mein Papa bäckt seit dem Jahr 1976 jede zweite Woche frisches Brot, mmhh. Wie man einen Teig macht, das haben wir schon als kleine Knöpfe mitbekommen, selbstverständlich mit Häpfe statt Hefe! : )

Lueg ein Dialekt-Quiz:

  • Feischter
  • Binätsch
  • Bölle
  • Gugumere
  • Wenn du dich wegen Anderen nicht wohl fühlst, trenne das von dir!
  • Wenn du dich wegen dir nicht wohl fühlst, frage dich was du (und dein Körper) brauchst, mehr Gemüse? Eine Massage? Eine Sauna?

Chunsch drus? ; )

Es folgen Geschichten aus den Pfadilagern, von Hörnli im Bach, angereichert mit Steinli oder von von einem eher ungeniessbaren Kartoffelsalat – damals schon modern als One-Pot-Gericht gegen die Regeln der Kunst, mitsamt Salatsauce gekocht. Ich werde diesen Erzählungen unmöglich im Text gerecht und lege es dir sehr ans Herzen, die Folge zu hören oder zu schauen.

Wir haben eine unglaublich lange Familiengeschichte. Einer unserer Vorfahren, welcher um 1800 geboren wurde, führte ein Tagebuch, worin er beschreibt, wie er schon wieder aus dem Zimmer geworfen wurde, weil er mit einem Kollegen gefechtet habe und was er mit nur noch 20 Rappen anfangen solle. Wilde Studizeiten Anfang 19. Jahrhundert quasi.

Mit dem SSR – Studentenreisedienst – reiste mein Papa in der Welt herum. Meist zu Fuss, zum Beispiel auf den 5200 Meter hohen Ararat in der Türkei nahe der Grenze zu Persien, oder nördlich vom Polarkreis in Skandinavien.

Seit 1976 bewohnen meine Eltern, zusammen mit Freunden, ein altes Biedermeierhaus, das sie über die Jahre renoviert haben. Mein Papa hat meine Mama vor 46 Jahre geheiratet.  Kennengelernt haben sie sich an einer Hochzeit: «Der Zufall wollte es, dass wir nebeneinandersassen. Wir haben getanzt und es lustig miteinander gehabt».

Mein Papa hat sich die Telefonnummer besorgt, ein Herz gefasst, bei meiner Mama angerufen und sie zu einem Müller-Gemüse - Geschnetzeltes mit Peperoni und Rahmsauce - eingeladen. Mit schelmischem Blick zu mir: «Fleisch gehörte damals auf den Speisezettel.» (einen feinen Seitenhieb auf meine veganen Wünsche… : ))

«Auf einem Spaziergang an Auffahrt haben meine Eltern gefunden, wir gehören zusammen» und so sind die beiden seit 46 Jahren verheiratet. So schön!

Mein Papa ist unglaublich geduldig und hat mich und meine Schwester (vor allem mich…) durch die gesamte Schulzeit gecoacht. Manchmal war die ganze Schulklasse bei uns gesessen und hatte zugehört, wie mein Papa das Wetter, die Sterne, oder Mathematik erklärte.

Ich frage ihn nach seinem Geheimtrick: «Man muss herausfinden wo das Problem liegt und dann kann man es richtig einordnen».

In der Schule ist Mathematik oft auf die Frage reduziert: «Was muss ich rechnen?». «Was muss ich rechnen?», reicht nicht ganz, damit man die Aufgabe lösen kann. Das Interessante ist eigentlich die mathematische Frage dahinter», ergänzt mein Papa.

«Zusammenhänge, gesunder Menschenverstand und alle Schublädlis brauchen, die man irgendwann mal gefüllt hat, das entspricht mir mehr als etwas auswendig wiederzugeben», Ronja

Ich frage meinen Papa, wie seine berufliche Laufbahn verlief.

«Physik hat mich interessiert, um auf die Basis zurückzugehen. Man macht immer Sachen, die man nicht kann und muss einen Weg finden, dass man einen Vorgang verstehen kann. Da ist die Physik etwas Faszinierendes. Ich konnte mich immer mit Fragen befassen, die interessant waren», lautet die Antwort.

Als er bei den Bauingenieuren arbeitete, kamen mehr praktische Probleme dazu. «Die Art von Physik, die Vorgänge beschreibt, die man sieht, aber nicht wirklich versteht, ist etwas Schönes. Man kann es beobachten in Bächen und Flüssen und im Meer».

Ich erinnere mich, dass ich immer fand: «Mein Papa ist Präsident von 5 Sachen!» : ) Schulpflegepräsident, Kirchenpflegepräsident, Präsident der Natur- und Heimatschutzgesellschaft, …

«Man kann etwas bewegen, wenn man will. Das ist das Spannende bei diesen Milizämtern», Andreas

Meine Eltern haben uns beigebracht, dass du selber schauen und herausfinden musst, wie du es anpacken willst. Es gab kein «Das geht nicht».

«Mir war immer wichtig, dass man selbständig ist», Andreas

Mein Papa lüftet mitten im Gespräch auch gerade ein nicht mehr allzu gut gehütetes Geheimnis ; ) nämlich, dass ich einmal Anna Barbara geheissen habe. Auf die Frage, was mein Papa dachte, als ich meinen Namen änderte, meint er: «Das hat für mich zur Selbständigkeit gehört. Du hast noch mehr Ideen, die einen nicht stören müssen». Das hat mir ein rechtes Lächeln aufs Gesicht gezaubert. : )

Was ist dein Geheimrezept, um ein glückliches erfülltes Leben zu leben?

«Es ist die Geschichte, woher man kommt...und es ist auch ein Geschenk. Und vielleicht auch, die Anderen nicht einfach blöd finden, sondern versuchen zu verstehen, was sie sich überlegt und was für Bedürfnisse sie haben. Dann wird alles viel persönlicher und offener, und man löst weniger Widerstände aus.»

Das war mein wunderbarer Papa… Ruhig und sich Gedanken machend, aber auch fäschtig und gesellig (ein grosses Fest beginnt in unserer Familie ab 300 Personen…), diese Kombination ist einfach wunderbar. Ich hoffe, dass dir dieses Gespräch genauso gut gefallen hat wie mir!

Hier kannst du das Video zu unserem Gespräch schauen: 

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