Lena Stauffer spricht über Entscheidungen und lohnenswerte Umwege

Lena ist eine sehr gute Freundin von mir und ich freue mich unglaublich, in dieser Episode mit ihr über ihre Einstellung zum Leben, über die unendliche Kraft und Macht von Entscheidungen – ob man sie trifft oder nicht - und übers «Kumo», das wir zusammen mit einer Freundin ins Leben gerufen haben, zu sprechen. Tauche ein und geniesse. : )

Zum Start unseres Gesprächs frage ich Lena wie all meine Gäste, wie sie die Freude in ihr Leben holt. «Grad heute Morgen habe ich einen Spruch von Heath Ledger gelesen: «Alle fragen dich, was du arbeitest, ob du verheiratet bist, ob du ein Haus hast und niemand fragt, bist du eigentlich glücklich?» ist Lenas erste Antwort.

Lena arbeitet im Take Away «Kumo» am Bucheggplatz, welches sie zusammen mit Manuela betreibt. «Ein grosser Teil meines Glücks ist, wenn ich Leute bedienen und ein Lachen auf ihr Gesicht zaubern darf». Lena hat Gymi-Luft geschnuppert und - nachdem sie gemerkt hat, dass das nichts für sie ist - eine Lehre in einem Kinderheim gemacht. Lena sagt, dass sie dort viel Unschönes gesehen hat, das Glück aber darin fand den Kindern einen Rahmen zu geben, in dem sie in der Form in der es ihnen möglich war, glücklich sein konnten. In der Lehre wurde Lena unerwartet schwanger, entschied sich aber mit ihrem Partner bewusst für das Kind. In der Zwischenzeit ist Lena dreifache Mutter. 

«Es macht mich glücklich, Impulsen zu folgen und so manchmal vom ursprünglich gedachten Plan abzukommen», Lena

Lena sagt, dass das Glück in den Alltag zu holen manchmal einfacher und manchmal schwieriger ist, aber: «Ich muss nicht super geschlafen haben und der Zmorge muss schon auf dem Tisch stehen und auch sonst muss alles rund laufen, ich kann mich auch daran erfreuen, dass ich von einem meiner Kinder umarmt werde, dass die Sonne scheint oder der Regen ans Fenster trommelt.

Man kann sich problemlos einen schlechten Tag machen, wenn man sich nur auf das Schlechte fokussiert, man kann es aber auch umkehren; «Das Tram ist zwar zu spät, aber dafür konnte ich 2 Minuten länger sitzen und über irgendetwas nachdenken oder ich habe jemanden getroffen, den ich sonst nicht gesehen hätte».

Ich finde das so spannend, man kann verschiedene Personen in die gleiche Situation setzen und alle würde verschieden reagieren, es ist alles in unserem Kopf!

«Die Freiheit haben zu entscheiden, wie man seinen Tag gestalten will, finde ich wahnsinnig lässig!», Ronja

Lena erzählt, dass manchmal Leute etwas muffig ins Kumo kommen und oft reicht es schon, einen wunderschönen Tag zu wünschen, um die Stimmung zu kehren, oder wenn es regnet: «Einen wunderschönen Tag und ich hoffe, dass du irgendwo im Trocken bist». So einfach ist das! : )

Lena erzählt, dass sie sehr dankbar ist für jeden Gast und dass sie wunderbare Begegnungen erlebt, zum Teil einmalig mit Gästen, die noch nie dort waren und auch nie mehr kommen, aber alles erzählen was ihnen gerade auf dem Herzen liegt «da braucht es das zulosende Ohr» aber auch mit Stammgästen, mit denen zum Teil schon richtige Freundschaften entstanden sind.

«Du kannst immer in einer Begegnung auswählen wie du interagierst», Ronja

Gastronomie ist so viel mehr als nur Bedienen, es ist die Atmosphäre, die man nicht beschreiben kann, aber du weisst einfach in dieser Beiz fühlst du dich wohl oder in diesem Kiosk ist es lustig oder im Kumo werde ich akzeptiert wie ich bin, so schön!

«Man kann sich viele Sachen schönreden, das macht das Leben einfach lustiger und freudvoller», Ronja

Es ist so spannend, wie Orte dich verändern können und sich gleichzeitig der Ort durch dich verändert, es ist wieder alles nur im Kopf.

Ich erkundige mich bei Lena nach einem Trick für Tage, an denen sie mit dem falschen Fuss aufgestanden ist.

«Ich muss zuerst schauen, dass es mir gut geht, dann räume ich nicht grad die Tische raus und mache alles für die Gäste bereit, sondern mache erst für mich einen Kaffee und trinke und geniesse diesen und überlege mir was der Tag bringt, dann kommt schnell schon eine freudige Erwartung», antwortet Lena.

«Ich versuche mich auf das zu freuen das kommt und nicht im «es geht mir nicht gut» oder «ich bin nicht fit» hängen zu bleiben», Lena

Bewusstwerden wo man gerade steht, wie es einem geht, und ob du das ändern willst oder nicht, das ist bereits ein Entscheid. Lena sagt, dass sie sich auch mal entscheidet ein bisschen drin zu bleiben, «ich bin so arm und alles ist so schlecht» aber dann ist es ein bewusster Entscheid und das ist auch der Entscheid, nicht darin bleiben zu wollen und sich dann überlegen was einem gut tut und da wieder raushilft.

«Es kann die Entscheidung sein mit dem Fahrrad zu fahren, damit ich den Wind im Gesicht spüre oder die Entscheidung bewusst zu Fuss zu gehen, um etwas mehr Zeit auf dem Weg zu haben». Lena ergänzt lachend, dass sie an trüben Tagen manchmal auch einfach die farbigsten Kleider anzieht die sie hat, das wirkt Wunder. : )

«Man kann auch mal im Selbstmitleiddümpel ein Bädli nehmen, einfach nicht so lange bleiben bis die Finger schrumpelig werden : )», Ronja

Lena ergänzt, dass sie sich selber auch aktiv sagt «ändere doch öppis», wenn ihr etwas nicht passt. Einen inneren Dialog führen, sich fragen was man mit einer Situation machen und ob man die jetzt wirklich so anschauen will und sich selber dafür verantwortlich fühlen.

«Niemand anders ist verantwortlich, mich glücklich zu machen», Lena

Ich frage Lena seit wann sie diese Erkenntnis hat oder durch was sie ausgelöst wurde.

Während einer schwierigen Erfahrung in jungen Erwachsenen Jahren war Lena in Psychotherapie und ihre Therapeutin fragte sie: «Wieso machst du das überhaupt?» und Lena fragte sich «Ja, wieso mache ich das eigentlich?», es war ein Schlüsselmoment bei dem Lena merkte, dass sie nicht in dieser Beziehung bleiben muss und sich davon befreien kann. 

«Ich kann nicht alles ändern, aber ich kann meine Einstellung dazu ändern und schauen was brauche ich eigentlich. Wenn es mir nicht gut geht, dann nützt es niemanden um mich herum etwas», Lena

«Die Sachen machen, wo ich spüre, dass ich es so will, auch wenn es kilometerlange Umwege mit sich zieht, das macht mich glücklich», Lena

Genau auf diesen Umwegen lernt man tolle Menschen kennen und sammelt Erfahrungen, die man in den Rucksack packen will.

«Für mich gibt es keine Umwege und Zufälle und trotzdem kann ich selber entscheiden was ich will», Ronja

Das Wichtigste ist, dass du weisst was du willst. Mit diesem Wissen kannst du dich auf den Weg machen. Wie dann die Umstände sind, kannst du wieder nicht beeinflussen, aber du kannst immer wieder Entscheidungen treffen. Es ist ein wunderbarer Tanz mit dem Leben, der einfach immer besser wird, je mehr du dich selber zuvorderst stellst. Nicht aus Egoismus, sondern einfach, weil es so gut ist und man so auch anderen gut schauen kann.

«Sich die nonchalante Freiheit nehmen das zu machen das man gerne macht», Ronja

«Man muss nicht alle drei Wochen alles über den Haufen schmeissen, aber den Mut haben zuzulassen, was man eigentlich spürt», Lena

Wir kommen auf Situationen zu sprechen, in der sich jemand nicht mehr wohlfühlt. «Ob man das Burnout nennt oder nicht, schlussendlich ist es nicht gut, wenn du zu lange an einem Ort bist, wo du in dir drin einen Widerspruch spürst. Ich reagiere im besten Fall lieber bevor überhaupt der Widerspruch entsteht», sagt Lena dazu. Als sie damals in der Kinderkrippe, wo sie arbeitete, gekündigt hatte, um das Projekt Kumo in Angriff zu nehmen, geschah dies mit guten Gefühlen. «Ich will jetzt künden, wo ich diese Entscheidung auf einem sicheren Boden treffen kann, in einer Phase wo es mir gut geht, nicht in Fluchtmodus.»

«Wenn man früh genug auf das Bauchgefühl hört, ist es einfach viel angenehmer und man kann die Dinge ganz entspannt in die Wege leiten», Ronja

Im Buch von Gay Hendricks «The Big Leap: Conquer Your Hidden Fear and Take Life to the Next Level», welches in der Zwischenzeit auch auf Deutsch erschienen ist, spricht er von verschiedenen Zonen. Es gibt eine Zone mit Dingen, die du nicht gut kannst und mit denen du dich darum auch nicht herumschlagen musst, dann gibt es die Kompetenz-Zone, dort befinden sich Dinge, die du zwar kannst, die aber nicht so viel Spass machen. Es folgt die «Zone of Excellence», alles was du richtig gut kannst und was dir Spass macht und schlussendlich die «Zone of Genius», da passieren die Dinge, die dir ganz leicht fallen und bei denen du dich fragst «Wow, das darf ich wirklich Arbeit nennen?» Eine meiner Genie-Zonen ist übrigens das Telefonieren mit Behörden. Um das Kumo verwirklichen zu können, mussten wir uuuuunzählige Male alles Mögliche abklären und beim allerersten Mal haben die Behörden gesagt, dass wir das grad wieder vergessen können, juhuiii ein Ansporn für mich! Und schau mal was drei Jahre später aus dieser Aussage geworden ist! : )

«Auch wenn es nicht rund läuft, kannst du dich fragen, was brauche ich jetzt, was kann ich tun?», Lena

«Ich habe nichts zu verlieren - das ist uns oft zu wenig bewusst», Lena

Lena sagt, dass wir uns in der Schweiz in der komfortablen Lage befinden, dass uns fast nichts passieren kann. «Es kann nicht schlimmer herauskommen, als dass ich auf die Schnure fliege. Aber ich bin noch nie auf die Schnure geflogen, ohne dabei etwas zu lernen.».

In unserer Gesellschaft herrscht oft die Meinung, dass wir keine Fehler machen dürfen, immer richtig funktionieren und alles super machen müssen… «Für mich wäre es kein Versagen, wenn wir vor sechs Monaten mit dem Kumo aufgehört hätten, weil es nicht mehr so gelaufen ist. Es wäre kein Versagen, denn wir haben einen Traum verwirklicht und es hät nid sölle si». 

Zu meinem grossen Glück (ich bin selber Stammgästin im Kumo : )) und dem Glück vieler Anderen hat das Kumo die letzten Monate jedoch gut überstanden!

Falls du dich als LeserIn oder als ZuhörerIn über diese zwei Träumerinnen da aufregst, schreib mal auf was du gerne machen würdest, was deine Zone of Excellence und deine Zone of Genius ist, welche Talente du hast, was du eigentlich mit deinem Leben machen willst. So haben wir auch angefangen. : )

«Man muss nicht immer einen Plan haben was das Nächste ist, das macht es schwierig aus etwas raus zu gehen», Lena

Wir sprechen über den famosen Montagsblues, den Lena insbesondere im Kumo merkt, wenn die Gäste jeweils einen starken Kaffee brauchen, um in die Woche zu starten…

«In unserer Gesellschaft gehört es fast zum guten Ton den Montag blöd zu finden», Ronja

Ich finde: Vielleicht bist du am Montagnachmittag tot! Ja das ist eine krasse Vorstellung, aber ich war an so vielen Beerdigungen, dass mir das einfach bewusst ist. Dabei geht es nicht darum das Schlimmste zu erwarten, sondern bewusst den Tag zu geniessen. Auch einen Montag. Wenn du merkst, dass du in deinem Leben komplett am falschen Ort bist, dann ist da für mich eine gewisse Dringlichkeit, dann frag dich doch mal, wohin du willst?

«Carpe Diem heisst für mich nicht, dass ich jeden Tag das Krasseste erleben und ein volles Programm haben muss, sondern das Bewusstsein zu haben, etwas Schönes zu erleben», Lena

Ein gutes Beispiel von Lena ist, wenn du mit Kindern auf den Spielplatz gehen willst. Der Spielplatz ist das Ziel, aber es hat vorher geregnet und ganz viele Regenwürmer und Schnecken säumen den Weg. Nach zwei Stunden bist du immer noch nicht beim Spielplatz, hast aber ganz viel Tolles erlebt und schöne Momente gesammelt.

«Sehen, was man hat und das schätzen, dankbar dafür sein und es auch im Kleinen geniessen», Lena

Ich überlege mir jeden Abend vor dem Einschlafen für was ich dankbar bin – noch besser wäre es, dies aufzuschreiben. Mein Anspruch ist es, dass ich am Abend sagen kann, dass ich einen guten Tag hatte.

Lena ergänzt, dass sie auch ganz fest dankbar sein kann an einem Tag nichts gemacht zu haben und im langsam-gemütlich-Modus jene Dinge erledigt zu haben, die sie wollte. Man muss sich nicht immer darauf fokussieren, was man sonst noch alles hätte tun können.

Wir kommen wieder aufs Kumo und den Umgang mit den Menschen zu sprechen.

«Es kostet mich nichts, den Leuten etwas Gutes auf den Weg zu geben - es gibt mir sogar etwas zurück», Lena

«Nett sein kostet nichts und du weisst nie, was es auslöst, es macht einfach einen Unterschied und man verändert damit die Welt ein kleines bisschen», Ronja

Auf der ganzen Welt passieren so viele schlimme Dinge und gleichzeitig kann ich mich an einem Weinbergschneck oder einem Insekt, das mit seinen winzigen Flügeln fliegen kann, erfreuen.

«Wir sind nicht so wichtig, chill‘s mal, geniess das Leben», Ronja

Lena sagt, dass sie es einen grossen Spagat findet hier in unserem Privileg zu leben und gleichzeitig zu wissen, dass es ganz vielen Menschen sehr schlecht geht. Aber: «Materielles kann nicht ausschlaggebend für Glück sein, dafür gibt es zu viele die Vieles haben und trotzdem unglücklich sind».

«Mache was dir gut tut», Ronja

Wenn ich heute ein Gutmensch sein will und alle anlächeln, dann ist das super. Wenn ich das morgen aber nicht will, heisst das nicht, dass es ein schlechterer Tag ist, ich habe mich einfach anders entscheiden.

Uns beiden gefällt der Film «Lola rennt», bei dem ganz kleine Details zu einem völlig anderen Ausgang führen. «Ob du das Tram nimmst oder den Weg zu Fuss gehst, der ganze Tag kann anders werden».

Es muss nicht immer eine Extremsituation winken oder dir ins Gesicht schlagen, hör doch einfach mal darauf was du willst. Um das geht es in der Joy Academy und im Joy Mastermind, es ist gar nichts Aufgeregtes und alle Tools sind wahnsinnig einfach und simpel und drum auch so wunderbar in deinen Alltag integrierbar. Wenn du im Frieden bist, ist unglaublich viel möglich. Wenn du nicht im Frieden bist, dann schreib mal auf was dein Problem ist, was dich aufregt, was du gerne ändern würdest.

«Sich bewusstwerden, was ist mein Teil und welchen Teil kann ich nicht beeinflussen und diesen auch loslassen», Lena

«Es ist so spannend wie wir im Kopf die ganze Welt verändern können, das macht mir so Freude, dass das möglich ist», Ronja

Und schon ist wieder eine Stunde rum! Die Zeit fliegt nur so während diesen wunderbaren Gesprächen. Ich bitte Lena um ein Schlusswort: 

«Meine Freiheit geht bis dort, wo die vom anderen anfängt, das ist mein Spielraum, den ich füllen und nutzen kann», Lena

Das Video zu unserer Konversation kannst du hier schauen:

Hier findest du Lena und das Kumo

Webseite: https://www.kumo6.ch/
Instagram Lena:
 https://www.instagram.com/zuerilena/
Instagram Kumo: https://www.instagram.com/kumosechs/
Facebook: https://www.facebook.com/kumosechs/

Und hier findest du alle Links über die wir sonst noch gesprochen haben : )

Joy Academy:
https://www.ronjasakata.com/joy-academy
Joy Mastermind:
https://www.ronjasakata.com/joymastermind
Joy Challenge:
https://www.ronjasakata.com/jre-ch
Joyometer:
https://www.joyismycompass.com/optin-joyometer-de

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