Dylan Wickrama spricht über die schönen Seiten des Planlos-Seins

In der Episode 6 hat Dylan am Schluss mein Gespräch mit Martina «gecrasht» : ) und nun freue ich mich umso mehr, eine ganze Stunde lang Zeit mit Dylan zu sprechen. Wir sprechen über Dylans Weltreise, aus der das Buch und der Film «Am Ende der Strasse» entstanden ist, über die Entscheidungen, die Dylan getroffen und wieso er findet, dass wir alle weniger planen und mehr wagen sollen. 

Dylan ist 50 Jahre alt «was man nicht sieht, finden die meisten» und momentan grad mit Martina und dem gemeinsamen Bus, in dem sie wohnen, unterwegs in Richtung Spanien. Dylan sagt, dass er bereits als Kind zwar schüchtern, aber fröhlich war und viel gelacht hat.

«Obwohl es als Kind nicht einfach war, habe ich schon damals die Sonnenseite gesehen», Dylan 

Mit dem Erwachsenwerden kam der Alltag, das Arbeiten von früh bis spät und Dylan fing irgendwann an sich Fragen zu stellen.

Vor 10 Jahren traf Dylan eine Entscheidung: «Ich will die Freude, die ich verloren habe, wieder finden». Er packte seine Sachen zusammen und startete mit dem Motorrad auf eine Weltreise.

Dylan machte keine grossen Pläne, bevor er losreiste. «Das Planen macht auch viel Angst», meint er. «Es gibt Leute, die das Planen mehr geniessen, als das Machen. Ich bin anders geworden, ich habe ohne Plan Erfolg gehabt».

Dylan war unterwegs, bis ihm das Geld ausging, und reiste nach 3.5 Jahren und ca. 80 Ländern «so genau weiss ich das gar nicht» wieder zurück. Vor der Reise war Dylan Automechaniker mit eigener Werkstatt, nach der Reise Motorradmechaniker und «jetzt mache ich etwas ganz anderes, bei dem ich nicht das Gefühl habe, dass ich arbeite».

«Es macht mir so viel Spass und Freude und ich verdiene genug Geld zum Leben», Dylan

Dylan erzählt, dass er Martina gefragt hat, ob sie kein schlechtes Gewissen hat, dass sie beide so viel Freude im Leben haben und das Leben jeden Tag geniessen können. Sie sagt: «Nein!». Ihrer Meinung nach kann jedeR diese Entscheidung bewusst treffen und das Leben so gestalten, dass man glücklich sein kann. «Ich denke schon auch, dass es eine Entscheidung ist, aber Glück spielt auch eine entscheidende Rolle. Wir sind nicht alle gleich begabt und wenn man Verpflichtungen hat, kann man auch nicht so einfach alles loslassen und losgehen», meint Dylan.

Dylan kommt auf ein Ereignis zu sprechen, das ihm (zum Zeitpunkt des Gesprächs) vor einer Stunde passiert ist. Er hat das Solarpanel über der Windschutzscheibe montiert, dabei zu schnell gearbeitet, weil es so heiß war und schlussendlich ein (richtig) schiefes Ergebnis erhalten. «Ich bin ein Perfektionist, so etwas kann ich nicht akzeptieren», meint Dylan lachend. «Ein paar Stunden Ärger geniessen… das Leben ist nicht immer rosig, man braucht auch negative Momente, dann kann man die schönen Stunden mit den unschönen vergleichen».

«Wütend oder traurig sein ist voll okay, solange man nicht darin ertrinkt», Ronja

Wenn man traurig ist, kann man wie im Treibsand versinken, aber man kann auch wieder herauskommen. «Ich mag kleine Herausfoderungen, weil man nachher stolz auf sich sein kann, nicht auf einen Mercedes oder einen BMW, sondern auf die eigene Kreativität», fügt Dylan hinzu.

Ich frage Dylan, wie er auf seiner Weltreise ohne Plan entschieden hat.

«Ich wusste, dass ich einmal um die Welt reisen will. Manchmal habe ich eine Münze geworfen, um eine Richtung auszuwählen, manchmal habe ich jemanden getroffen, der mir von einem schönen Ort erzählt hat oder mich mitgenommen hat, dann habe ich einfach die Richtung geändert», antwortet Dylan, «das finde ich das Schönste, wenn du auf Reisen bist, du solltest nicht eine fixe Route haben». 

Dylan erzählt von ihrer momentanen Reise, auf der sie in Italien durch das Susatal gefahren sind und «unglaublich schöne Dörfer, kleine Städte, riesige Burgen & Ruinen» angetroffen haben.

«Es ist ein schönes Gefühl, irgendwohin zu kommen und etwas zu sehen, das du noch nie gesehen hast, das macht Freude», Dylan

Als sie noch vor einer Woche in Polen waren, meinte Martina «du bist dick geworden» - «wie soll ich das loswerden?» - «du musst laufen, Sport machen», daran erinnert sich Dylan lachend. Vor der Weltreise habe er sehr viel Sport gemacht, aber nachher nahm er sich die Zeit nicht mehr und vernachlässigte seinen Körper. «Ok, dann mache ich einen Spaziergang, 1000 km, Jakobsweg, 1 Monat lang, ein ungeplantes Abenteuer». Dylan fügt schelmisch hinzu: «Viele machen den Weg aus spirituellen Gründen, für mich ist mein Bauch sehr spirituell geworden…»

Dylan freut sich auf die Wanderung «ich bin ziemlich sicher, dass ich es geniessen werde, ich will mich nicht quälen». In der Zwischenzeit hat Dylan den Marsch vollbracht, folge den beiden unbedingt auf den Sozialen Medien um an ihren tollen Abenteuern teilzuhaben. : )

Ich frage Dylan nach der Arbeit zu seinem Film «Am Ende der Strasse», zu dem es ein gleichnamiges Buch gibt, welches er zusammen mit Martina geschrieben hat. Er habe das ganze letzte Jahr am Film gearbeitet und diesen sicher 150x gesehen. «Ich war kein Filmemacher und hatte nie die Idee einen Film zu machen, ich hatte nicht viel Filmmaterial und es war nicht einfach, den Film so zu erzählen, wie es wirklich war. An vielen Stellen hat Material gefehlt».

«Auch nachdem ich 100x den Film gesehen habe, habe ich bei 90x geweint, die Geschichte war sehr intensiv, ich könnte die Geschichte 1000x erzählen und sie berührt mich immer noch», Dylan

Dylan erzählt, dass der Film für ihn einfach eine ehrliche Erzählung mit ehrlichen Begnungen ist und es nicht wichtig ist, ob es schöne Bilder hat. Achtung Spoiler Alarm: «Mein Leben wurde von Delfinen gerettet!»

Ich frage Dylan nach der Entscheidung, die er zugunsten der Weltreise getroffen hat. «Ich wusste, dass ich etwas machen muss, um aus dem Hamsterrad auszubrechen, das war der erste Schritt». Dylan sagt, dass es auch nicht so war, dass er zurück gekommen sei und danach erleuchtet war, im Gegenteil, er hatte immer noch viele Fragen.

«Als ich zurück blickte, auf was ich alles erlebt habe, da ist mir klar geworden, dass es im Leben nicht um Sicherheit geht», Dylan

Dylan ist in seinem Leben bereits mehrmals volles Risiko eingegangen. Als er seinen sicheren Job im technischen Dienst eines Alters- und Pflegeheims aufgab um seine eigene Autowerkstatt zu eröffnen, als er die Werkstatt nach sechs Jahren verkaufte und auf Weltreise ging, als er mit Martina die Wohnung kündigte und eine Bus umsiedelte…

«Es war eine Herausforderung, aber ich habe viel über mich gelernt und das Selbstbewusstsein dazu entwickelt», Dylan

Ich frage Dylan nach einem Rat für all jene, die von etwas träumen, aber Angst haben es umzusetzen.

Dylan meint, dass das grösste Problem die Angst vor dem Scheitern und die Angst vor den anderen Leuten sei. «Wenn etwas nicht klappt, bist du ein Versager und verlierst den Respekt, solche Gedanken haben viele».

«Wenn du glaubst, du schaffst es, dass du die Fähigkeit besitzt, dann solltest du diesen Weg gehen, alles andere kommt von allein», Dylan

Vielleicht entdeckst du, dass es doch nichts für dich ist, aber hauptsache du probierst es. «Du solltest nicht alles liegen lassen und faul sein und denken, es passiert alles von selbst, du musst dir Mühe geben, das ist sehr wichtig».

Dylan erzählt, dass sie manchmal von Leuten gefragt werden, was sie tun müssen um ebenfalls das «Vanlife» zu leben. «Keine Ahnung!» ist Dylans Antwort. «Du musst selber wissen, was du kannst und dann probier‘s halt aus. Du solltest schauen «kann ich das oder kann ich das nicht», «habe ich eine Idee oder habe ich keine Idee», du kannst nicht eine Idee klauen und nach dieser leben».

«Höre auf deine innere Stimme, du hast die ganze Weisheit in dir», Ronja

Dylan sagt, dass er Musik liebe, auf der Reise aber kein einziges Lied gehört hat. «Es war mir wichtig zu denken, ich habe eigentlich die ganze Zeit meditiert». «Du kannst Dinge überlegen, du kannst mit dir selber ein Gespräch führen, du bist dein eigener Therapeut, kannst dir selber Rat geben».

«Du musst auf deine eigene Stimme hören, aber du musst auch ein Gespräch mit dir führen um eine Antwort zu bekommen», Dylan

Wenn du das machst, was deine innere Stimme sagt, das was dir Freude bringt und dich glücklich macht, dann inspirierst du die Welt. Das was dich aus irgendeiner Ecke ruft, das wo du Lust drauf hast, das was dir Freude bereitet, das ist deine Mission.

Dylan sagt, dass er früher die Welt retten wollte bis er – als er die Weltreise antrat – dachte: «Nein, jetzt schaue ich zuerst zu mir». Dylan ist sehr arm aufgewachsen, sein Vater starb als er 6 Jahre alt war, seine Mutter musste viele Stunden arbeiten und als Ältester ging auch er nach der Schule arbeiten, während er zusätzlich auf seine Mutter und Brüder schaute.

«Ich habe entschieden; Jetzt ist es Zeit etwas für mich zu machen», Dylan

«Für mich heisst Leben glücklich sein, das ist der einzige Grund weshalb wir leben», Dylan

Dylan sagt, dass er und Martina genau das machen. «Gemeinsam schauen wir, dass wir etwas machen, das uns glücklich macht. Es gibt Menschen, die sind unglücklich und finden einfach den Mut nicht etwas zu ändern».

«Willst du etwas verändern? Finde einen Job, der dir Freude macht!», Dylan

«Zum Glück sind wir alle verschieden», fügt Dylan an. Er erzählt von Martinas Neffe, der Bauer sein will und sein Leben lang im Dorf bleiben, wo er aufgewachsen ist. «Er soll genau das machen, was ihm Spass macht».

Egal was dich begeistert, du musst es zuerst herausfinden; Das Gespräch mit dir selber führen, auf deine innere Stimme hören und nicht immer nur auf alle anderen. In unserer Gesellschaft ist es sehr schwierig, nicht die Erwartungen von allen anderen herauszufinden, sondern was DU willst und dann diese Erwartungen erfüllen. Manchmal braucht es eine Reise dies herauszufinden oder auch einfach eine Stunde in der man nachdenkt und nicht immer abgelenkt ist.

«Wir probieren zu wenig aus, das ist das Problem», Dylan

Dylan erzählt von einem Amerikaner, der ihm damals während der Reise auf Facebook gefolgt ist. Er arbeitete für Barack Obama im Weissen Haus und träumte ebenfalls von einer solchen Reise, die er dann tatsächlich auch mit dem Motorrad startete. Dylan verfolgte seine Reise und sah, dass er – als er in Kolumbien ankam – 1 Woche, 2 Wochen, 3 Wochen am gleichen Strand blieb und plötzlich wieder zurück war. In einem langen Post schrieb er, dass er die Weltreise aufgegeben hat. Er hat entdeckt, dass die Reise, von der er solange geträumt hat, nicht seinen Vorstellungen entsprach und es gar nicht sein Ding war. Dylan sagt, dass sein Bekannter sich mega dafür geschämt hat, er aber findet, dass man das genau so machen soll.

Mit diesen Worten schliessen wir unser wunderbares Gespräch ab: «Machen wir mit unserer Zeit etwas, das uns glücklich macht». : )

Das Video zu unserer Konversation kannst du hier schauen:

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