Hanbaiki

Bei meinem allerersten Hanami-BBQ unter den noch nicht ganz geöffneten Kirschblüten war es noch ziemlich kalt, auch wenn wir unseren Grill einheizten. Da hatte mein Gastbruder gemeint: «Ich hole schnell Grüntee.» «Wo genau will er auf diesem Hügel ein Restaurant finden?», dachte ich, zum Nachfragen reichte mein Japanisch noch nicht.

Bald darauf ist er mit Grünteedosen zurückgekommen. Ich weiss noch genau, dass ich mir die eisgekühlt vorgestellt habe und die Dose beim Anfassen gleich fallen liess. Die war heiss! So richtig heiss! Die perfekte Aufwärmmöglichkeit, auch für die Hände.

​Und woher hatte er die Teedosen? Aus dem Hanbaiki! Hanbai heisst verkaufen und das Zeichen für ki ist das der Maschine – diese Getränkeautomaten stehen, egal in welchem Ort, in einer unglaublichen Dichte in Haupt- und Nebenstrassen, manchmal einer allein, manchmal 3 nebeneinander. Was sie gemeinsam haben: Es ist ein günstiges Vergnügen sich durchs japanische Getränkesortiment durchzuprobieren. Zwischen 100 und 150 Yen (ca. 80 Rappen bis 1.30 Fr.) kosten die Dosen und Petflaschen. Die heissen Getränke sind orange-rot gekennzeichnet und nur von Herbst bis Frühling erhältlich.

Was gibt’s sonst Anderes als bei uns? Dosenkaffees , cankohii (can=dose, kohii = Kaffee), mit Milch, ohne Milch, Doppelschwarz, mit Zucker, ohne Zucker oder mit Milch & Zucker in allen möglichen Kombinationen. 

Grüntee darf natürlich nicht fehlen. Der ist immer ohne Zucker und wird auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen verkauft. Ryokucha ist der normale Tee. Hojicha ist ein bisschen dunkler, ein gerösteter Grüntee. Und wer Pech hat, holt sich den Mugicha oder den Uroncha aus dem Automat. Aso gut, das ist meine persönliche Geschmacksempfindung, dass diese zwei gar nicht fein sind. Vielleicht magst du diese speziell herben Tees. Auf Nummer sicher gehen ist einfach: Die knallgrüne Verpackung ist der normale Grüntee. Der löscht den Durst meiner Meinung nach am allerbesten.

Coca Cola gibt’s nur in den von Coca Cola hingestellten Automaten, ansonsten steht die kreative Aromavielfalt der japanischen Getränkeindustrie zu deinen Diensten! Wasser gibt’s meistens nur eine Sorte ohne Kohlensäure. Das Zeichen dafür ist  mizu. Wer nicht zuerst alle anderen klebrigen Getränke, die für uns aussehen wie Wasser, durchprobieren will, hält sich an dieses Kanji.

Ein lustiges Getränk ist Royal Milk Tea, auf Japanisch ausgesprochen «royaru miruku tii». Schwarztee mit Milch und superviel Zucker. Der schmeckt wie ein flüssiges Dessert. In den meisten Cafés kann man Schwarztee mit diesem Titel bestellen, eiskalt oder heiss. Beim kalten Tee wird der Zucker als Zuckersirup serviert, damit er sich gut auflösen kann. Die Getränkeindustrie ist flink, wenn es darum geht die beliebten Café-Getränke im Automaten anzubieten. Royal milk tea ist eines davon.

​Mitten auf der Landstrasse wird wohl noch lange der althergebrachte Hanbaiki stehen. In Tokyo ist man aber schon in der Zukunft angekommen. Da wird per touch-screen bestellt, die Kalorienangaben und Zutatenliste zum Getränk werden gross eingeblendet, sobald gewählt wurde. Was überall immer mehr verbreitet ist: Bezahlen mit einem kurzen Hinhalten der Suica oder Pasmo-Prepaid-Karte, welche für die öffentlichen Verkehrsmittel gebraucht werden, ob du das heisse oder kalte Getränk wählst, entscheidest du!

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