Japanische Toilettenkultur

Der Toilettenbesuch in Japan ist ein Highlight für sich - nicht übertrieben! In diesem Artikel habe ich dir ein paar überraschende Dinge aufgelistet, die du mit ziemlicher Sicherheit beim Gang auf das WC antreffen wirst. Es startet mit einem Punkt, der - sobald du es gecheckt hast - sehr praktisch ist! : )

Schonfrist für die Ohren

Hängt an der Kabinenwand ein Kästchen, das aussieht, wie ein Knopf zum Spülen? Es könnte sein, dass, drückt man drauf, zwar laut Wasser rauscht, aber in der WC-Schüssel gar nichts passiert. Das war der «Ich möchte nicht, dass andere meine Toilettengeräusche hören, darum kann ich das mit dem Rauschton übertönen, verschwende aber kein Wasser»-Knopf!

Bei Kanebo Foods, wo ich mein Praktikum absolvierte, wunderte ich mich ständig, dass die Damen in der Kabine verschwanden, spülten und am Schluss aber nochmals spülten. Hatte die Vorgängerin das WC immer mit schmutziger Schüssel hinterlassen? Als mir dann das erste Mal auf einer Autobahnraststätte dieser ominöse Spülknopf, der ja gar keiner ist, begegnet ist, hab ich das Spiel verstanden.

Loch statt Schüssel

​Die nächste Überraschung: Es gibt viele Orte, wo die traditionelle japanische Toilette steht. Eine längliche Vertiefung ist im Boden eingelassen mit dem WC-Loch auf der einen Seite und einem Spritzschutz auf der anderen. Sogar in den älteren Shinkansen-Zügen gibt es solche WCs. Da hockt man über dem Loch und kann seine Beinmuskulatur stärken und das Balance-Gefühl üben. 

​Wassersparen ist hoch im Kurs

In Bars und Restaurants mit kleinen WC-Räumen sowie in Privathaushalten gibt es kein separates Handwaschbecken. Der Spülkasten füllt sich auf einem Minilavabo auf dem Spülkasten. Dort kann man sich die Hände waschen, wenn auch ohne Seife. Die Spülung spült auf die eine Seite gedrückt gross und auf die andere Seite klein. Welche ist welche? 大, ooki, bedeutet «gross» und für chiisai, «klein», steht dieses Zeichen: 小. Du siehst ein solches Lavabo beim Foto oben rechts.

Falten nicht vergessen

Bevor man die Toilette verlässt, bitte immer das Toilettenpapier-Ende wieder zum Dreieck falten. Das ist obligatorisch! Ich finde es immer wieder beeindruckend, dass egal ob in einem McDonald's oder im Kaufhaus-Restaurant das Dreieck zu 99 Prozent gefaltet ist, wenn man reinkommt.

​Pantoffeln für den Toiletten-Gang

Jetzt wird es ein Level anspruchsvoller: Die WC-Pantoffeln bieten Potential für Fettnäpfchen. In vielen Museen und Restaurants, und immer im Hotel oder in Privathäusern ist man mit sogenannten Surippaas (Hausschuhe) unterwegs. Wenn man aufs WC möchte, lässt man diese Surippaas vor der Türe stehen und schlüpft in bereitgestellte Toiletten-Surippaas. Nach dem Geschäft unbedingt daran denken, wieder in die Hausschuhe umzusteigen! Wer ganz japanisch sein will, zieht die Toilettensurippas «rückwärts» aus, damit der oder die Nächste wieder ohne Verrenkungen in die Pantoffeln schlüpfen kann. Damit klar ist, welche Toilette für wen ist: 女 bedeutet «Frau», 男 «Mann». 

Achtung Verbrennungsgefahr

Vielleicht steht auch 女の人 oder 男の人. Das ist die ausgeschriebene Variante für «weiblicher Mensch» und «männlicher Mensch». Meinen ersten Japan-Besuch habe ich in einem März angetreten, da kann es noch so richtig kalt sein. Nichtsahnend ging ich zur Toilette, die Pantoffeln hatte ich im Griff doch dann sprang ich blitzschnell wieder vom Sitz auf, denn der war ja heiss!

Also richtig geheizt: Temperatur stufenlos wählbar. Neben diesem Rädchen hat es noch unzählige Knöpfe, wo man sein Hinterteil mit Wasser waschen und trocknen kann und andere Zusatzfunktionen. Diese Wasch-WC-Idee ist übrigens eine Schweizer Erfindung. In Japan hat sie sich so stark durchgesetzt, dass in den neusten Shinkansenzügen sogar solche Hightech-WCs montiert sind.

Nun wünsche ich dir ganz viel Spass beim Ausprobieren! ; ) Falls ich dich gluschtig gemacht habe noch mehr über Japan zu erfahren - ob bizarr, lustig, erstaunlich oder auch einfach nur sehr hilfreich - dann bestell dir mein Japanbuch «Japan, für dich ein Spaziergang»: https://www.ronjasakata.com/japanbuch/ Ich nehme dich mit auf eine Reise durch Japan, bei der du so richtig ins Land eintauchen kannst. Das Buch gibt es auch als Hörbuch (Deutsch & CH-Deutsch) sowie als Ebook.

​P.S. Auch das triffst du in Japan an: Wunderschöne plüschige Sitzbezüge… : )

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  • Birgit sagt:

    Klopapier-Falten nicht vergessen:
    Da mache ich ein grosse Fragezeichen betr. Hygiene. Woher weiss ich ob diese Falten vor oder nach dem Händewaschen erfolgt ist?

    • Ronja Sakata sagt:

      Liebe Birgit, vielen Dank für deinen Kommentar. Hmm, also ich denke, dass – da das WC-Papier sowieso nach dem WC-Gang berührt wird – dies keinen grossen Unterschied bezüglich Hygiene macht. Vorallem ist das Hinterteil ja nicht ein steriler Ort ; ). Ich würde dir sofort Recht geben, wenn es um Desinfektionstücher gehen würde. Das Dreieck macht einfach Freude und dann geht Mann und Frau ja hoffentlich draussen ausgiebig die Hände waschen. : )

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