Reisetipp: Shizuoka

​Das folgende Interview ​habe ich mit Taiki Uno geführt. Bei ihm und seiner Familie haben wir per AirBnB ​übernachtet und ​das umliegende Gebiet mit den lokalen Tee- und Wasabiplantagen erkundet. Die Idee Taiki zu interviewen entstand, als er mir von seinem Projekt zur Unterstützung der lokalen Teebauern erzählte. Wer ebenfalls bei Taiki übernachten möchte, findet die Unterkunft hier. Ich hoffe mit dem Interview ein paar Einblicke in das Leben auf dem Land ​geben zu können.

​Taiki, wo lebst du?

Ich lebe in einem Dorf namens Tamakawa​, das im Kashiwa Ward, Shizuoka City in der Shizuoka Präfektur liegt.

Wieso bist du nach Tokyo um zu studieren?

Ich wollte in Tokyo lernen, was in Shizuoka nicht möglich war. Egal was meine Interessen waren, in Tokyo gab es unzählige Möglichkeiten und so dachte ich, dass ich top Erfahrungen machen werde.

Was war deine Motivation zurück zu kehren?

Ich bin zurück gekommen, als meine Tochter geboren wurde. Für mich war Tokyo der beste Ort um zu studieren, aber nicht der beste Platz um Kinder gross zu ziehen. Ich wollte meine Kinder immer in einer Umgebung mitten in der Natur aufziehen, weil das Leben in der Natur so bereichernd ist.

Was ist dein Beruf?

Mein Beruf ist japanischen Tee zu verkaufen und neue Produkte zu planen.

Wieso ist Shizuoka berühmt für Tee?

Die Geschichte von Japans Tee beginnt mit dem Import von Samen aus China. ​Die Menschen haben Kyoto und Shizuoka als geeignete Umgebung für den Teeanbau ausgewählt. Zu dieser Zeit hatte Shizuoka - anders als Kyoto - keine grösseren Industrien wie z.B. den Tourismus. Deshalb wurde ​der Teeanbau hier sehr gefördert und es ​entwickelte sich eine grosse Industrie in Shizuoka.

Gibt es viele Teefarmen da wo du lebst?

Mein Dorf ist eines der Geburtsorte des Shizuoka Tees. Deshalb ​gibt es sehr viele Teebauern. Im Dorf hat es eine Fabrik, welche die Teeblätter, die von den Teebauern gepflückt werden, weiterverarbeitet. Neben der gemeinsamen Fabrikationsstätte betreiben die Familien auch eigene. Allerdings ist die Anzahl Teebauern rückgängig, da der Teepreis tief und das Leben schwierig ist.

Ist es ein Problem, dass viele junge Menschen das Dorf verlassen?

Ich denke nicht, dass es ein Problem ist, dass viele junge Menschen das Dorf verlassen, weil es persönliche Freiheit ist. Es ist allerdings schwerig für junge Menschen ausserhalb des Dorfes in das Dorf zu ziehen. Es gibt wenige Häuser, welche vermietet werden. Ich denke das Problem ist, dass junge Menschen, welche anstatt das Dorf zu verlassen, lieber bleiben würden​, nicht bleiben können. Dieses Problem ist durch die japanische Religion entstanden. In den alten Häusern hat es einen buddhistischen Altar. Auch wenn ein Haus nicht bewohnt ist, kommen Angehörige im August vor dem Altar zusammen und ehren die Geister ihrer Ahnen. Deshalb kann man nicht in ein Haus mit Altar einziehen, auch wenn es ansonsten leer steht. Es gibt aber eine Lösung. Man kann die Geister von einem Altar ​an andere Orte wie z.B. Grabmale transferieren. Wenn diese Möglichkeit mehr verbreitet ist und​ mit etwas gesundem Menschenverstand ist es möglich, dass wieder mehr Häuser bewohnt werden können.

Was ist deine Geschäftsidee / Geschäftskonzept?

Ich möchte die Produzenten und Konsumenten näher zusammen bringen. Ich liebe feine Sachen und wenn ich erfahre, wie die Produzenten arbeiten und ernten, lerne ich viel über die ​Produktion. ​Ich denke, um Produzenten und Konsumenten näher zusammen zu bringen, braucht es einen Händler, ​der den Produzenten symphatisch ist und ihre Situation und Gefühle versteht. Deshalb kooperiere ich auch mit der Landwirtschaft. Wir werden uns Gedanken über Produkte und Anlässe machen, welche die Situation der Produzenten berücksichtigt und eine Zukunft ermöglicht.

Verkaufst du auch international?

Nein, momentan nicht. Zuerst möchte ich Resultate in Japan erzielen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft ​des Dorfes und der Teebauern?

Nachfrage generieren und das Verkaufsvolumen oder die Preise ​erhöhen.

drei Japanische Jungs
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