Velofahren in Japan

In Takatsuki, bei Osaka, stehen morgens um 8 Uhr am Rotlicht 50 Menschen und 30 Fahrräder beim Fussgängerstreifen und warten, bis es Grün wird. Die Velofahrer spielen untereinander das Spiel «Wer ohne abstehen die Balance halten kann bis es grün wird, hat gewonnen!» Die zufriedene 90jährige Grossmutter mit ihrem Dreirad für Erwachsene spielt nicht mit, sie hat schon gewonnen, denn Sie kippt sicher nicht um. Wenn es grün wird sausen die Velos voraus, über die Kreuzung.

​Alle fahren Fahrrad in Japan. Tausende von Velos stehen um die Bahnhöfe, in den Shoppingarkaden, und einfach überall herum. Bei den Bahnhöfen wird die «Veloseuche» richtiggehend bekämpft, denn wenn ein Fahrrad dasteht, wird daraus ganz schnell eine ganze Kolonie, jeder stellt seines noch dazu.

​Die billigsten Fahrräder kosten 50 Franken. Da ist nicht viel mehr dran als zwei Räder, ein Sattel und die Lenkstange - ein normales Modell kostet um die 120 Franken. Das hat auch noch keine Gangschaltung, aber das omnipräsente Chörbli an der Lenkstange ist dafür dabei. Wer in einer Stadt ohne Hügel unterwegs ist, kauft sich das Standardmodell.

Wer Kinder transportieren will, investiert in stabilere Gefährte. Seit letztem Jahr sind ganz lange Fahrräder trendy, auf denen hinten und vorne Platz ist für einen Kindersitz. Die Sitze sind inzwischen richtige Luxuskabinen, optional mit Polster und Regenschutzzelt. Da sieht man frühmorgens die kleinen Prinzen und Prinzessinnen in ihren Kindergarten- oder Krippenuniformen durchschimmern. 

Velohelme sind so selten zu sehen, wie in der Schweiz vor 20 Jahren. Dafür sind die E-Bikes auch in Japan angekommen. Die Lastenvelos, ob mit oder ohne Kindersitz und die Grosseltern-Dreiräder, wie das von Tante Aiko in Kyushuu, sind mit Elektromotor erhältlich. Die Dreiräder sind hinten mit grossem Gepäckkorb ausgestattet, oder es ist eine kleine Sitzbank zum Verweilen angebracht. So sind Pensionäre mit dem «unkippbaren» Velo so lange mobil, wie sie wollen.

​Das japanische Wort für Fahrrad ist Jitensha 自転車:= selber,= drehen,= Gefährt. Das Dreirad heisst Sanrinsha 三輪車:= drei, = Rad, = Gefährt. Die Zeichen werden einzeln anders ausgesprochen, als zusammengesetzt. Du kannst dir also nicht nur sha= Gefährt merken. heisst einzeln Kuruma und bedeutet Auto. Mehr zu allen Kanjis und der japanischen Schrift erfährst du in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=Y5ilN6sCRRY&t=3s . Oder im Gratis Japanischkurs: https://www.ronjasakata.com/gratis-japanischkurs/

Überall sind so viele Fahrräder unterwegs und doch ist dieses Verkehrsmittel, wie vielerorts, leider nicht mehr als geduldet. Auf den stark befahrenen Hauptstrassen, welche durch die mittleren Grossstädte führen, sind Velos zwar erlaubt, doch nur wer sehr sicher fährt, wagt sich auf diese Strassen. Auf den holprigen Trottoirs ist eigentlich Velofahrverbot, aber die Fussgänger haben Verständnis, dass sie diesen Platz teilen müssen. Es sind manchmal halsbrecherische Szenen, die ablaufen. Wer sich auskennt, düst durch die schmalen Quartierstrassen, welche zwar ein schier undurchdringbares Labyrinth sind, dank Navi aber auch für Touristen machbar.

Willst du das auch ausprobieren? Hier findest du weitere Infos und die besten Velovermietungs-Firmen. Ein Geheimtipp sind die «Entdeckungen» auf Airbnb. Da kannst du zwischen ganz vielen coolen Velotouren in der Stadt oder auf dem Land wählen , zb. hier eine Tokyovelotour oder hier ist eine zweites Beispiel!

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